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Blauzungenkrankheit (Bluetongue, BT)

Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer, die mit Fieber und durch Gefäßentzündungen verursachte Schwellungen einhergehen kann. Empfänglich sind große und kleine Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen), aber auch Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden.

2006 ist diese Tierseuche erstmalig in Deutschland aufgetreten und hat vor allem im Infektionszyklus 2007 zu erheblichen Verlusten, insbesondere in den bereits im Vorjahr betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie in Hessen geführt. Insgesamt waren 2007 in Deutschland etwa 23.000 Betriebe von der Blauzungenkrankheit betroffen. In Baden-Württemberg wurde das Krankheitsgeschehen 2007 erstmalig in 519 Betrieben festgestellt. Viele der weit über 700 betroffenen Tiere erkrankten stark und verendeten oder mussten getötet werden.

Im Jahr 2008 wurde in Deutschland flächendeckend eine Impfung gegen den Serotyp 8 der Blauzungenkrankheit durchgeführt. In der Zeit zwischen Mai und September 2008 wurden in Baden-Württemberg 1,3 Mio. Wiederkäuer in ca. 34000 Betrieben gegen BTV-8 geimpft. Trotz eines immens hohen Erregerdruckes und einer aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit von Impfstoffen relativ spät durchgeführten Impfung konnten über 99% aller geimpften Bestände zuverlässig vor der Blauzungenkrankheit geschützt werden.

Um an den erfolgreichen Verlauf der Impfaktion im Jahr 2008 anzuknüpfen, wurde ab Februar 2009 in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland erneut gegen die Blauzungenkrankheit flächendeckend geimpft. Im Jahr 2009 gab es in Deutschland insgesamt nur noch 145 gemeldete Ausbrüche, in Baden-Württemberg gab es dagegen keine Ausbrüche mehr. Im Jahr 2010 ist es in ganz Deutschland zu keinen Neuausbrüchen der Blauzungenkrankheit gekommen. Während in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits andere Serotypen des Blauzungenvirus festgestellt wurden (z. B. Serotyp 1 in Frankreich), sind in Deutschland andere Serotypen als der Serotyp 8 bisher nicht festgestellt worden.

Die Blauzungenkrankheit ist eine nicht unmittelbar von Tier zu Tier ansteckende sondern von bestimmten Stechmücken (Gnitzen, Cullicoides) übertragene Infektionskrankheit, an der vor allem Schafe und Rinder erkranken und verenden können. Die Tierseuche kam bisher vor allem in warmen Ländern (Afrika, Südeuropa) vor. Der Krankheitsverlauf kann mild bis sehr schwerwiegend und mit hohen Verlusten einhergehend sein. Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

Die primäre Einschleppungsursache des Erregers der Blauzungenkrankheit in Mitteleuropa ist weiterhin ungeklärt. Grundsätzlich kommt ein Eintrag über infizierte Wiederkäuer (Zootiere) oder BT-Virus tragende Insekten (Flugverkehr) in Frage. Einzig wirksamer Schutz gegen die Blauzungenkrankheit ist die Impfung.

Die Bekämpfung der Blauzungenkrankheit basiert gemeinschaftsrechtlich auf der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007. In Deutschland wurde nach Zulassung der Impfstoffe im Jahre 2010 auf ein freiwilliges Verfahren umgestellt. Da der Serotyp 8 des Blauzungenvirus nach wie vor in Wildtierpopulationen zirkuliert, empfiehlt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) auch im Jahr 2012 alle empfängliche Tierarten zu impfen, da, wie die letzten Jahre gezeigt haben, nur die Impfung sicher vor dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit schützen kann.

Rinder, Schafe und Ziegen, die in Zoos, Wildparks, Zirkussen oder ähnlichen Einrichtungen gehalten werden, sollten grundsätzlich in die Impfung einbezogen werden, ebenso sonstige empfängliche Tierarten, z.B. Gehegewild, Neuweltkameliden.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Icon Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Informationen über die derzeitige Situation und Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten der Europäischen Union hinsichtlich der Blauzungenkrankheit sind auf folgender Internetseite abrufbar:
Icon http://ec.europa.eu/food/animal/diseases/controlmeasures/bluetongue_en.htm
Ergänzende Informationen zur Blauzungenkrankheit sind auf der Homepage des nationalen Referenzlabors Friedrich-Loeffler Instituts / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) unter Icon http://www.fli.bund.de/de/startseite/institute/institut-fuer-virusdiagnostik/referenzlabore/nrl-fuer-bt.html sowie dem EU-Referenzlabor für die Blauzungenkrankheit in Pirbright (Vereinigtes Königreich) unter Icon http://www.iah.bbsrc.ac.uk/bluetongue/bt.aspx abrufbar.