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Bonde legt Konzeption für landesweiten Biotopverbund vor

Mit einem landesweiten Biotopverbund will die grün-rote Landesregierung den Natur- und Artenschutz in Baden-Württemberg weiter fördern. Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde hat das Konzept am Dienstag (24. April) gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor der Landespressekonferenz vorgestellt.

 

Wieso brauchen wir einen landesweiten Biotopverbund?

Der Schutz der verbleibenden Freiräume, insbesondere großer, noch zusammenhängender und verkehrsarmer Gebiete sowie die Vernetzung von Lebensräumen sind für den Erhalt überlebensfähiger Lebensgemeinschaften von besonderer Bedeutung. Durch die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft stellt sich für viele Arten das Problem der „Verinselung“ ihrer Lebensräume - durch Straßen oder Gebäude isoliert von den Artgenossen findet der genetische Austausch nicht mehr statt, das Risiko des Artensterbens steigt. Eine Vernetzung der Lebensräume der jeweiligen Arten, beispielsweise durch sogenannte Trittsteinbiotope, die eine Verbindung von einem Lebensraum zum nächsten bilden, stellt den Artenaustausch sicher.

Wer hat das Konzept entwickelt?

Im Oktober 2010 hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz das Institut für Landschaftsplanung und Ökologie (ILPÖ) der Universität Stuttgart beauftragt, ein Konzept für einen landesweiten Biotopverbund für Baden-Württemberg zu erarbeiten. Fachlich begleitet wurde das Projekt von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW).

Was beinhaltet dieser naturschutzfachlich begründete Fachplan?

Das landesweit vorliegende Konzept bietet sowohl Informationen für die regionalplanerische Sicherung der für den Biotopverbund relevanten Flächen als auch eine Handlungsanleitung für die Umsetzung und Realisierung des Biotopverbunds auf kommunaler Ebene. Er ist eine unverzichtbare Grundlage für alle weiteren Planungen und benennt Suchräume für konkrete Umsetzungsmaßnahmen. Der Fachplan „Landesweiter Biotopverbund Baden-Württemberg“ wurde auf Grundlage vorliegender Fachbeiträge und -daten erarbeitet. Die für das Offenland wesentlichen Datenquellen sind die Biotopkartierung der gesetzlich geschützten Biotope (§ 30 BNatSchG), die Kartierung der FFH-Lebensraumtypen „Magere Flachlandmähwiesen“ und „Bergmähwiesen“ sowie Daten des Artenschutzprogramms und der Streuobsterhebung. Für den Verbund von Waldflächen konnte die abgeschlossene Fachplanung des „Generalwildwegeplans Baden-Württemberg“ in das Konzept für den landesweiten Biotopverbund übernommen werden.

Aus welchen Flächen setzt sich das Biotopverbundsystem zusammen?

Generell besteht das konzipierte Biotopverbundsystem aus Kernflächen und Suchräumen für den Biotopverbund. Die Kernflächen sind das essentielle Gerüst des Biotopverbundsystems. Sie stellen potentielle Habitate von Tier- und Pflanzenarten dar und gliedern sich in Lebensräume trockener, mittlerer und feuchter Standorte. Die landesweiten Suchräume für den Biotopverbund im Offenland stellen Arrondierungen dieser Kernflächen zu Verbundkomplexen von Lebensräumen trockener, mittlerer und feuchter Standorte dar. Die Suchräume für den Biotopverbund entstehen, indem die Kernflächen, die innerhalb einer bestimmten Distanz (200, 500 oder 1000 Meter) beieinander liegen, zu einem zusammenhängenden Komplex arrondiert werden. Die verschiedenen Distanzen korrespondieren mit der unterschiedlichen Ausbreitungsfähigkeit von Arten.

Welche Instrumente gibt es zum Schutz der Kernflächen?

Die Kernflächen des landesweiten Biotopverbunds sind zu einem großen Teil als gesetzlich geschützte Biotope, als Lebensraumtypen von FFH-Gebieten oder als sonstige Schutzgebiete geschützt. Die Sicherung von Flächen des Biotopverbunds kann darüber hinaus beispielsweise durch folgende Naturschutzinstrumentarien erreicht werden:

  • durch langfristige vertragliche Vereinbarung mit den Nutzungsberechtigten auf der Grundlage der Landschaftspflegerichtlinie (Vertragsnaturschutz);
  • durch extensive Nutzung nach Programmen wie dem Marktentlastungs- und Kul-turlandschaftsausgleich (MEKA);
  • durch Umsetzung von Arten - und Biotopschutzprogrammen;
  • durch Umsetzung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf der Grundlage der Managementpläne in Natura 2000-Gebieten;
  • durch die Auswahl von Flächen der Biotopverbundkulisse für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft sowie
  • durch vorgezogene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen des kommunalen und des naturschutzrechtlichen Ökokontos;
  • durch Flächenankauf beispielsweise durch Gemeinden und Naturschutzverbände.

Was beinhaltet das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt?

Im Jahr 2010 beschlossen der Europäische Rat und die 10. Vertragsstaatenkonferenz im Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD), mit verstärkten Anstrengungen den Verlust der Biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen, den Rückgang der Ökosystemdienstleistungen aufzuhalten und die Ökosysteme - wo es möglich ist - wieder herzustellen. Die Bundesregierung unterstützt diese Bemühungen unter anderen durch die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt.

Wie steht die geplante baden-württembergische Naturschutzstrategie zum Biotopverbund?

Die Umsetzung des Biotopverbunds ist eines der Schwerpunktprojekte in der Strategie. Die baden-württembergische Naturschutzstrategie soll auf Basis der internationalen und nationalen Richtlinien, Vereinbarungen und Strategien zur biologischen Vielfalt sowie des Koalitionsvertrages weiterentwickelt und mit konkreten Zeit- und Maßnahmenplänen umgesetzt werden. Dies ist notwendig, um einerseits die sich aus Natura 2000 ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen und andererseits mit den bewährten Naturschutzinstrumenten die biologische Vielfalt im Lande zu stärken. Die an der Erarbeitung beteiligten Verbände, Behörden und sonstige Institutionen waren aufgefordert, Defizite zu benennen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung zu geben. Die Naturschutzstrategie befindet sich derzeit in der Endabstimmung.

Icon PressemitteilungIcon Graphische Gesamtdarstellung zum Biotopverbund Baden-Württemberg (PDF)

  • Biotopverbund

    Die dargestellten großräumigen Verbundachsen stellen dies aus landesweiter Sicht bedeutendsten überregionalen Ausbreitungsräume für Arten des Offenlands dar. Ziel muss sein, auf diesen Achsen keine zusätzlichen Barrieren durch Straßen oder Gebäude zu schaffen